Es gibt einen Satz, der in populären Geschichtsbüchern erstaunlich oft steht: „Man nimmt an." Er klingt bescheiden, aber er ist ein Trick. Er behauptet etwas, ohne dafür geradezustehen, und überlässt es dem Lesenden, den Unterschied zwischen einer gut belegten Rekonstruktion und einer hübschen Vermutung selbst zu erraten.
Die Unsichtbaren Fäden macht das anders. Jede Aussage im Buch trägt eine Stufe zwischen A und G. A heißt: mehrfach unabhängig belegt. G heißt: widerlegt, wird hier nur genannt, weil die Behauptung im Umlauf ist. Dazwischen liegen die Abstufungen, in denen die meiste Geschichte tatsächlich stattfindet.
Warum das unbequem ist
Eine solche Kennzeichnung kostet Dramatik. Wo andere Bücher eine Szene ausmalen, steht hier manchmal, dass wir schlicht nicht wissen, wie es war — nur, was danach nachweisbar anders lief. Das ist weniger spannend zu lesen und deutlich schwerer zu schreiben.
Es hat aber einen Vorteil, der alles andere aufwiegt: Man kann dem Buch widersprechen. Wer eine Stufe für zu hoch hält, findet die Grundlage genannt und kann sie prüfen. Ein Buch, das sich nicht widerlegen lässt, ist kein Sachbuch, sondern eine Erzählung mit Fußnoten.
Auch die Bilder sagen es
Dieselbe Regel gilt für die Abbildungen. Kein Motiv in diesem Band ist eine historische Fotografie — es gab keine. Jedes Bild trägt deshalb seine Herkunft: gesicherter Befund, Rekonstruktion auf Grundlage von Befunden, oder freie Rekonstruktion. Ein Bild, das aussieht wie ein Beweis, ohne einer zu sein, wäre die stillste Form der Unwahrheit.
Wer wissen will, wie weit das getrieben ist: Die begehbare Welt zur Reihe zeigt zu jedem Motiv dieselbe Angabe wie das gedruckte Buch — an derselben Stelle, in derselben Ausführlichkeit.